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Ruhewald Hallenberg eröffnet

07.07.2011 - 08:50 /

Mit einer kleinen Feierstunde wurde der Ruhewald Hallenberg, der erste Bestattungswald im Sauerland eröffnet. Bürgermeister Michael Kronauge konnte dazu neben vielen Bürgern aus dem Stadtgebiet und den umliegenden Städte auch den Landtagsabgeordneten Hubert Kleff begrüßen.

Nach einer ökumenischen Andacht mit Segnung des Kreuzes durch Pastor Karl-Heinz Graute und Pfarrer Klaus Becker aus Battenfeld wurde der Ruhewald für Bestattungen freigegeben.

Der Ruhewald trifft in der Bevölkerung auf großes Interesse. Bereits vor der Eröffnung wurden von Bürgern aus allen Ortsteilen, von gebürtigen und ehemaligen Hallenbergern sowie von Bürgern aus den umliegenden Städten insgesamt 32 Grabstellen erworben.

Eröffnung des Ruhewalds Hallenberg durch Bürgermeister KronaugeWeitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie Eröffnung Ruhewald Hallenberg

Nachstehend die Ansprache von Bürgermeister Michael Kronauge in der er das Projekt vorstellte:

Seit Menschengedenken werden Friedhöfe oder besondere Begräbnisstätten angelegt, um die Verstorbenen würdig beizusetzen und um die Erinnerung an die Toten wach zu halten. Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, Verbindung zu den Toten zu halten. Friedhöfe sind daher Orte des Gedenkens und stille Oasen in unserer hektischen und lauten Zeit.

Mit der heutigen Eröffnung des Ruhewaldes haben wir in Hallenberg einen weiteren Ort des Totengedenkens geschaffen. Hier können die Verstorbenen würdig bestattet werden und ihre letzte Ruhe finden. Die Hinterbliebenen haben hier einen Ort, an dem sie ihrer Trauer Ausdruck geben, ihren Erinnerungen nachhängen und dadurch schließlich auch Trost gewinnen können.

Veränderte Bestattungskultur

In den letzten Jahren hat sich die Bestattungskultur  in Deutschland und auch in Hallenberg massiv gewandelt.

Wurden die Toten zunächst in und um den Kirchen beerdigt, so sind die Friedhöfe später u.a. aus Platzgründen außerhalb der Wohngebiete verlegt worden und erhielten eigene Leichenhallen und Kapellen. So wurde 1970 hier in Braunshausen die erste Leichenhalle im damaligen Amt Hallenberg gebaut. Damals gab es unter der Bevölkerung starke Bedenken und Kritik. „Ein Toter muss im Haus aufgebart werden, dort wo er gelebt hat, damit die Familie in Ruhe Abschied nehmen kann“ hieß es damals.  Im Jahr 1995 lag dem Stadtrat der Antrag eines Hallenberger Bürgers auf Einrichtung von Urnengräbern vor. Der Antrag wurde damals abgelehnt. „In Hallenberg lässt sich niemand verbrennen und wenn, dann kann man ein normales Grab nehmen“.

Inzwischen steigt aber auch bei uns die Zahl der Urnenbestattungen ständig an. Überhaupt hat der Wunsch zu geänderten Bestattungsformen enorm zugenommen. Gründe hierfür sind der demografische Wandel, die Zunahme von Ein- und Zweikinderfamilien, von Singlehaushalten und kinderlosen Lebensgemeinschaften.  Die Kinder oder die für die Grabpflege Verantwortlichen wohnen nicht mehr am Ort und eine Dauergrabpflege ist teuer. Alles dies zwingt zum Umdenken. Nichts ist schlimmer als ein ungepflegtes Grab, deshalb werden Lösungen gesucht für pflegefreie Friedhofskonzepte mit überschaubaren Kosten. Außerdem werden Möglichkeiten gesucht, um für sich selbst eine Vorsorgelösung zu planen und bereits zu Lebzeiten zu bezahlen.

Bestattungswälder

Eine der neuen Bestattungsformen ist der Bestattungswald. Insgesamt gibt es in Deutschland inzwischen über 200 Bestattungswälder, Friedwälder oder Ruheforste. Die Asche der Verstorbenen wird dabei an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Das Konzept ist unabhängig von sozialen Zwängen, von Konfession und vom  Wohnort. Im Ruhewald wird die Grabpflege von der Natur übernommen. Der auf Friedhöfen übliche Grabschmuck ist nicht erwünscht. Die Grabstätten sind naturbelassen und nicht durch Grabsteine oder Bepflanzungen gekennzeichnet. Lediglich kleine Schilder an den Bäumen mit Name weisen auf die Grabstätten hin.

Die Idee der Baumbestattung wurde von dem Schweizer Ingenieur Uli Sauder im Jahre 1993 entwickelt. Die Bezeichnung für sein Konzept „FriedWald“ ist als Marke eingetragen und darf nur für diese Begräbnisstätten genutzt werden. Im Jahre 2001 wurde in Deutschland der erste Friedwald eröffnet. Über diese Eröffnung und das Friedwald-Konzept habe ich damals in einer Illustrierten gelesen.

Interesse der Stadt Hallenberg

Diese Idee hat mich damals als Bürgermeister einer Stadt, deren Fläche von 65 qkm zur zu 48% aus Wald besteht interessiert und ich habe 2001 Kontakt mit der Friedwald GmbH aufgenommen. Mir wurde aber mitgeteilt, dass man bereits in Verbindung mit einer Nachbarkommune (dem Fürst von Bad Berleburg in Bad Laasphe) steht und kein Interesse hat. Daraufhin wurde die Idee erstmals in die Schublade gelegt. Vor zwei Jahren haben wir den Gedanken im Stadtrat wieder aufgegriffen.

Inzwischen bietet mit der RuheForst GmbH eine weitere Firma in Kooperation mit den Kommunen bundesweit Waldbestattungen an.  Beide Unternehmen haben im letzten Jahr mitgeteilt, dass sie an der Betreibung eines Bestattungswaldes in Hallenberg nicht interessiert sind. Wir und unser Einzugsgebiet sind diesen Firmen einfach zu klein.  Wir haben uns von diesen Absagen aber nicht entmutigen lassen, sondern dann im Stadtrat einstimmig entschieden, einen Bestattungswald selbst einzurichten, ihm den Namen Ruhewald zu geben und in der Trägerschaft der Stadt Hallenberg zu betreiben. Im nachhinein bin ich darüber sehr froh. So treffen wir alle Entscheidungen selber und sind Herr im eigenen Wald.

Waldgrundstück in Braunshausen

Ein geeignetes Grundstück zu finden, war selbst bei dem Waldreichtum der Stadt Hallenberg nicht ganz einfach. Es muss Laubmischwald sein, es muss gut zu erreichen sein, nicht zu steil, nicht zu dunkel und natürlich im städtischen Eigentum stehen.  Volkhard Kunst, der künftig für den Ruhewald verantwortlich ist, ist dann hier in der Gemarkung Braunshausen fündig geworden.  Ein, wie ich finde, idealer Platz für einen Ruhewald. Direkt an der Kreisstraße gelegen, hat die Fläche, die wir im ersten Schritt für den Ruhewald erschlossen haben, eine Größe von gut 4 ha. Spätere Erweiterungen sind möglich, da die Nachbarflächen der Stadt gehören.

Diese Fläche wird waldbaulich künftig nicht mehr bewirtschaftet und der Natur überlassen. Die Nutzungsdauer für den Ruhewald beträgt 99 Jahre, beginnend ab heute. In den letzten 25 Jahren wird dann keine Bestattung mehr erfolgen.

Beteiligung der Behörden

Im Rahmen unserer Planungen mussten natürlich viele Behörden beteiligt werden. Da es der erste Ruhewald im HSK ist, war dies für viele, auch was die Genehmigung, die Bewilligung und die erforderlichen Voraussetzungen angeht - Neuland. Aber alle bürokratischen  Hürden wurden gemeistert, sodass am 29.03.2011 die Genehmigung für die Errichtung des Ruhewaldes erteilt wurde. Ich danke dem Hochsauerlandkreis, der Unteren Landschaftsbehörde, der Unteren Wasserbehörde, dem Gesundheitsamt, der Bauaufsicht, dem Fachdienst Kreisstraßen und allen Stellen und Behörden die uns bei der Bewilligung unterstützt haben. Herzlichen Dank auch unserem Jagdpächter Hermann Maurer, für sein Verständnis, denn der Bereich des Ruhewaldes darf natürlich künftig nicht mehr intensiv bejagt werden. Herzlichen Dank auch den Mitgliedern des Stadtrates, die auch öffentliche Diskussionen nicht gescheut haben, für ihre einstimmige Entscheidung.

Vorarbeiten

Man sieht unserem Ruhewald an, dass in ihm in den letzten Wochen viel gearbeitet wurde. Im ersten Schritt wurde der Wald durchforstet. Bäume die sich gegenseitig das Licht wegnehmen und sich im Wachstum hemmen wurden entfernt. Dann hat unser Forstmitarbeiter Ralf Maurer, Fachmann für Baumpflege, jeden Baum mit einem speziellen Hubsteiger einzeln untersucht und trockene Äste entfernt.  Außer der regelmäßigen Überprüfung im Rahmen unserer Verkehrssicherungspflicht, wollen wir in diesem Wald in den nächsten 99 Jahren wenig oder überhaupt nicht mehr arbeiten.

Vor zwei Wochen haben wir uns dann noch kurzfristig entschlossen diese kleine  überdachte Aufenthalts- und Andachtsstätte zu bauen. Eigentlich war dies erst für das nächste Jahr geplant, aber bei den Gesprächen mit Interessenten wurde deutlich das eine Stätte an der man sich auch bei schlechten Wetter aufhalten, Abschied nehmen und trauern kann dringend erforderlich ist. Ich möchte an dieser Stelle unseren Handwerkern, den Firmen Rainer Weber und Werner Menzel, die kurzfristig tätig werden konnten und innerhalb der letzten 14 Tage diese Gedenkstätte errichtet haben herzlich danken. Mein Dank gilt den Bauhof- und Forstmitarbeitern und meinen beiden „Ruhewaldschreinern“ Heinrich Heukamp und Meinolf Kronauge, die immer da sind, wenn ich ehrenamtlich Hilfe benötige und die die letzten Tage von morgens bis abends mit Hammer und Säge hier im Wald verbracht haben. Spätestens im Herbst, wenn die ersten Blätter fallen, werden die Spuren der Arbeit verschwunden sein und die Natur wird sich den Wald vollständig zurückerobert haben.

Bäume im Ruhewald

In unserem Ruhewald gibt es insgesamt 100 Bäume, die im ersten Schritt gekennzeichnet wurden. Diese Bäume unterteilen sich in Familien- bzw. Freundesbäume und Gemeinschaftsbäume. An einem Gemeinschaftsbaum (blaue Schilder) sind bis zu 10 Urnenbestattungen möglich, ein Platz kostet 500,00 €. Wer einen eigenen Baum, als Familien- oder Freundesbaum (grüne Plaketten) erwirbt, der entscheidet selbst wer unter „seinem“ Baum bestattet wird. Dieser Baum für 10 Bestattungen kostet 4.500,00 €.  Zusätzlich haben wir im oberen Teil des Ruhewaldes einen Sternenkinderbaum geschaffen, an dem Tot- und Frühgeburten sowie Kinder bis zum dritten Lebensjahr kostenfrei bestattet werden können.

Kritik an der Einrichtung eines Ruhewaldes in Hallenberg

Ich weiß, dass die Entscheidung, in Hallenberg einen Ruhewald zu errichten auch kritisch gesehen wird. Warum gerade in Hallenberg? Warum gerade hier, wo Religion, wo Tradition und Brauchtum doch immer so hoch gehalten werden?

Ich persönlich sehe darin keinen Widerspruch und keine Gegensätzlichkeiten. Der Ruhewald lässt, nach meiner Meinung, einen neuen Umgang mit dem Tod zu, ohne mit Traditionen zu brechen. Trauer und Erinnerung finden hier einen festen Bezugspunkt. Religion und der Glaube an die Auferstehung haben auch hier ihre Geltung, aber andere Lebenseinstellungen und andere Vorstellungen werden zugelassen und behalten ihren eigenen Wert.

Ich habe in den letzten Wochen viele Gespräche geführt mit Menschen die sich für den Ruhewald interessierten. Ich habe viele Menschen durch den Wald geführt und auch selbst Verträge abgeschlossen. Dies waren keine Menschen die sich von der Kirche und der Religion abgekehrt haben, ganz im Gegenteil. Dies waren auch keine Öko-Freanks oder Anhänger von naturreligiösen Ideologien, nein, dies waren Menschen, die sich ganz intensiv mit dem Tod und der eigenen Vergänglichkeit auseinandergesetzt haben.

Und die für sich entschieden haben - meist schon bevor sie gehört haben das in Hallenberg ein Ruhewald entsteht - das die Waldbestattung die, für sie ganz persönlich, richtige Bestattungsform ist. Der Ort an dem sie beerdigt werden möchten. Mir ist auch aufgefallen, das in fast allen Gesprächen die ich geführt habe der gleiche Satz vorkam „Mir fällt ein Stein vom Herzen, ich bin so froh, dass ich diese Entscheidung endlich getroffen habe.“

Ich bitte alle die dies anders und vielleicht auch kritisch sehen um Verständnis. Im Internet habe ich einen schönen Satz gefunden, den ein Pfarrer bei der Einweihung eines Friedwaldes gesprochen hat: „Alles was die Menschen tröstet ist gut. Wenn das der Wald ist, dann ist die Naturbestattung eine schöne Alternative zu den herkömmlichen Bestattungsformen“.

Sich mit dem Gedanken an den eigenen Tod zu befassen und vor allem die Entscheidung wie und wo man beerdigt werden möchte, ist, glaube ich, die persönlichste Entscheidung die man im Leben treffen kann. Der Ruhewald ist eine Alternative, ein zusätzliches Angebot der Stadt Hallenberg. Niemand wird gezwungen sich hier bestatten zu lassen und natürlich gibt es auf unseren vier städtischen Friedhöfen keinerlei Änderungen.

Alles was die Menschen tröstet ist gut. Wenn die Menschen in unserem Ruhewald Trost finden, dann ist es gut.

Ich eröffne hiermit den Ruhewald Hallenberg und gebe ihn für Bestattungen frei. Möge der Ruhewald ein Ort der Ruhe und des Friedens werden. Ein Ort an dem die Menschen Trost finden im Gebet, in der Erinnerung und in der Hoffnung.

Internetseite des Ruhewalds Hallenberg


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