Rund 80 Bürgerinnen und Bürger sind am Mittwoch, 30.09.2026 der Einladung der Stadt Hallenberg zur Bürgerversammlung über die Zukunft des Naturbades gefolgt. Unter dem Motto „Förderung als Chance, Finanzierung als Aufgabe“ informierte die Stadt über den aktuellen Sachstand, die beantragte Förderung, mögliche Finanzierungswege sowie weitere Perspektiven für die Zukunft des Bades.
Bürgermeister Enrico Eppner stellte zu Beginn die aktuelle Ausgangslage vor. Auf Grundlage eines zuvor einstimmig gefassten Ratsbeschlusses wurde eine Förderung aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS), speziell für Bäderprojekte, für die Sanierung und Weiterentwicklung des bestehenden Naturbades zu einem beheizten Freibad mit konventioneller Bädertechnik beantragt. Umgehend, nachdem bekannt wurde, dass die Stadt Hallenberg Mittel aus der Förderung erhält, wurde die Bürgerversammlung einberufen.
Bei einer Förderung von 45 Prozent verbliebe ein kommunaler Eigenanteil von 55 Prozent, das entspricht rund 1,7 Millionen Euro. In den genannten Kosten sind neben den großen technischen Investitionen auch beispielsweise Spielgeräte, Bänke und weitere Ausstattungen enthalten, die gegebenenfalls noch eingekürzt werden könnten, mögliche Eigenleistungen wie z.B. Abbrucharbeiten könnten ebenfalls die Kosten reduzieren.
Förderung ermöglicht eine andere Perspektive
Im Rahmen der Veranstaltung wurde ausführlich, auch auf Nachfrage, erläutert, dass das bestehende Naturbad in mehreren Bereichen sanierungsbedürftig ist. Unter anderem müsste die Folie erneuert werden, auch die Stege sind ohnehin zu ersetzen und eine seit langem bekannte Leckage konnte bisher nicht verortet werden.
Eine Sanierung des Naturbades, auf Stand der aktuell unbeheizten Technik, ohne die nun mögliche Förderung würde nach den derzeitigen Berechnungen Kosten von rund 2,4 Millionen Euro (1,95 Millionen € Netto) verursachen. Gleichzeitig ist die zwischenzeitliche Befüllung des Beckens mit Wasser aus der „Nuhne“ inzwischen rechtlich nicht mehr ohne vorherige aufwändige technische Aufbereitung zulässig. Damit würde ein wesentlicher Bestandteil des bisherigen Naturbadkonzeptes entfallen.
Die beantragte Förderung eröffnet daher die Möglichkeit, das Bad technisch und langfristig neu aufzustellen. Gleichzeitig stellt der notwendige Eigenanteil die Stadt vor eine erhebliche finanzielle Herausforderung. Eine Beantragung von Fördermitteln für die Sanierung eines Naturbades wäre nicht zielführend gewesen, da die Maßnahmen nicht auf Langfristigkeit ausgelegt sind, beispielsweise muss Beckenfolie nach rund 15 bis 20 Jahren erneuert werden.
Finanzierung ausführlich vorgestellt
Kämmerer Hans-Georg Mettken stellte den Bürgerinnen und Bürgern verschiedene Überlegungen zur Finanzierung vor. Dabei wurde unter anderem eine mögliche Erhöhung der Grundsteuer betrachtet.
Anhand von Beispielrechnungen wurde dargestellt, dass eine Anhebung der Grundsteuer B (z.B. für Wohnhäuser und Eigentumswohnungen, Gewerbeimmobilien, unbebaute Grundstücke) um 24% erforderlich ist, um den Eigenanteil des Badumbaus über die Grundsteuer zu finanzieren. Es wurde erläutert, welche Belastungen auf die Bürgerinnen und Bürger, aber auch Gewerbebetriebe zukommen würden, wenn die Investitionskosten einschließlich der anfallenden Zinsen über einen Zeitraum von 15 Jahren über die Grundsteuer finanziert würden.
Damit wurde deutlich gemacht, dass eine Entscheidung für die Investition in das Freibad nicht nur die unmittelbaren Nutzerinnen und Nutzer des Bades betrifft, sondern Auswirkungen auf den gesamten städtischen Haushalt und damit letztlich auf die gesamte Bürgerschaft und auch die Gewerbebetriebe haben wird.
Neben einer Finanzierung über den städtischen Haushalt und mögliche steuerliche Belastungen wurden daher auch weitere Möglichkeiten thematisiert. Dazu gehören insbesondere Spenden und bürgerschaftliches Engagement.
Interesse an möglichem Förderverein
Ein wichtiger Punkt des Abends war deshalb die mögliche Gründung eines Fördervereins. Bereits während der Veranstaltung wurde erstmals abgefragt, welche Bürgerinnen und Bürger sich grundsätzlich in einem solchen Verein engagieren wollen.
Dabei ging es sowohl um eine mögliche Mitgliedschaft und eine Mitarbeit im Vorstand als auch um ganz praktische Unterstützung mit „Men- und Womenpower“ – beispielsweise bei möglichen Abbruch- und Vorbereitungsarbeiten oder später bei verschiedenen Aufgaben rund um den Badebetrieb. Auch eine Unterstützung bei späteren Badeaufsichten wurde angesprochen. Hierfür wären entsprechende Qualifikationen erforderlich.
Darüber hinaus soll die Spendenakquise ein möglicher Baustein sein, um die Stadt bei der Umsetzung und Ausstattung des Bades zu unterstützen. Diese könnte möglicherweise auch über einen Bäderverein getragen werden.
Alternative Nutzungskonzepte werden ebenfalls betrachtet
Die Stadt Hallenberg möchte bei der weiteren Diskussion gleichzeitig unterschiedliche Möglichkeiten betrachten. Neben der aktuell beantragten Fördervariante sollen deshalb auch alternative Nutzungskonzepte als nachgelagerte Möglichkeit in den Blick genommen werden.
Die Verwaltung wird sich hierzu in Kürze mit Beispielen aus anderen Kommunenbeschäftigen. Dabei geht es um Konzepte, bei denen Gewässer beziehungsweise Wasserflächen für die Bevölkerung erlebbar gemacht werden können. Je nach örtlichen Voraussetzungen könnten beispielsweise auch gastronomische Angebote oder weitere Freizeitmöglichkeiten eine Rolle spielen. Ein klassisches Freibad mit Badebetrieb würde jedoch dann nicht mehr zur Verfügung stehen.
Damit sollen unterschiedliche Möglichkeiten betrachtet und hinsichtlich ihrer jeweiligen Chancen, Kosten und Rahmenbedingungen sorgfältig abgewogen werden.
Zwei Stunden Austausch und viele Fragen
Im Anschluss an die Vorstellung der verschiedenen Themen entwickelte sich eine rund zweistündige offene Diskussion. Die Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, Anregungen einzubringen und unterschiedliche Sichtweisen zu diskutieren.
Bürgermeister Enrico Eppner, Kämmerer Hans-Georg Mettken, der zuständige Fachbereichsleiter „Soziales und Bäder“ Markus Becker sowie der Leiter der Technischen Dienste Mario Brussmann standen für die Fragen der Anwesenden zur Verfügung.
„Wir wollen allen Bürgerinnen und Bürgern ein offenes Ohr schenken. Es ist wichtig, die unterschiedlichen Sichtweisen zuzulassen und Argumente und Informationen sorgfältig abzuwägen“, so Bürgermeister Enrico Eppner.
Dabei wurde ausdrücklich deutlich gemacht, dass die Bürgerversammlung ergebnisoffen angelegt war. Ziel war es, über die Ausgangslage, die Fördermöglichkeiten und die finanziellen Auswirkungen und Herausforderungen zu informieren und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Politische Beratung und Bürgerengagement als nächste Schritte
Nach der Bürgerversammlung gilt es nun, die gewonnenen Informationen und die Anregungen aus der Bürgerschaft in die weiteren politischen Beratungen einfließen zu lassen. Gleichzeitig sollen die Bürgerinnen und Bürger, die sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen können, zusammengebracht werden, um die mögliche Gründung eines Fördervereins weiter voranzutreiben.
Die Stadt Hallenberg ruft daher alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Interesse an einer Mitgliedschaft in einem möglicherweise zu gründendem Förderverein haben oder sich ehrenamtlich für die Zukunft des Freibades engagieren möchten, sich bei der Stadt zu melden.
Gesucht werden sowohl Personen, die eine Mitgliedschaft begründen möchten, und / oder sich eine Mitarbeit im Vorstand vorstellen können, als auch Bürgerinnen und Bürger, die später bei praktischen Arbeiten, Veranstaltungen oder weiteren Aufgaben unterstützen möchten.
Interessierte können sich kurzfristig bei der Stadt Hallenberg unter 02984 3030 oder per E-Mail an post@stadt-hallenberg.de melden.
Die Bürgerversammlung hat damit vor allem eines gezeigt: Die Zukunft des Hallenberger Freibades ist eine Gemeinschaftsaufgabe, bei der neben den finanziellen Rahmenbedingungen auch die Bereitschaft der Bürgerschaft zum Engagement eine wichtige Rolle spielen kann.